Ade

Heute gab es hier zwei Artikel, in ersterem sah ich mich genötigt mit der Wahl des Präsidenten abzuschließen. Mit dem zweiten schließt die Publikation und geht in die Sommerpause und den Winterschlaf, irgendwann geht es eventuell weiter. Bis dahin wird es hier keine Kommentare und anderswo keine 140 Zeichen von meiner Seite geben. Lediglich zu dem einen oder anderem Artikel werde ich andernorts einen Hinweis ins Netz werfen, eventuell. Die Erde wird sich weiter drehen und das Abendland geht noch ein paar mal unter. Zuallerletzt ergeht eine Empfehlung auf die hier verlinkte Lektüre.
Danke für den Keks, bis dann oder auch nicht.

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BP V Ende

Der Tag ist längst Geschichte, jedoch ein kurzer Kommentar. Christian Wulff hat mit absoluter Mehrheit gesiegt. Sein erfolgversprechendster Herausforderer Joachim Gauck hatte rechnerisch und logisch eine keine reelle Chance. Unabhänig von der Linken.

Das Ereignis an sich kam mir wie Comedy vor. Jeder hat seine Position per Palaver vertreten. Aus den Reihen der SPD (Stellvertretend: Manuela Schwesig) kam sogar irgendwann der Vorschlag Wulff möge aufgeben, denn er hätte keine Chance. Die Grünen waren prima integriert und haben, wie die SPD, gemeint Die Linke müsse Gauck wählen. Warum? Darum! Stichhaltige Argumente, Fehlanzeige. Glaubwürdige Argumente hab ich nur von der Linkspartei gehört (Hartz IV, Afghanistan). Man muss deren Meinung inhaltlich nicht teilen, aber diese war begründet.
Alles in Allem seichte Unterhaltung, bis auf einzelne Ausnahmen (Lammert war souverän und erheiternd), fühlte sich der Bürger in mir veralbert…

Sicherlich ich hab nur ausschnittsweise zugeschaut, und sicherlich hab ich mich bei allem nur verhört. ;-)

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nurso I

Atomreaktoren reduzieren den Treibhausgasausstoß bei der Energiegewinnung. Nett, dass dieser Satz anscheinend in jedem Artikel zur “Brückentechnologie” steht. Wenn in jenen Artikeln ebenso unsere strahlende Zukunft erwähnt werden würde…

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oT

zub_plakat_297z.jpg

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Bundespräsident IV

Nachdem ich noch harmlos von einem liberalen Konservativen ausging. Zwei Ergänzungen:

Ein Artikel gräbt eine Rede Herrn Gaucks vor der Robert Bosch Stiftung aus. Darin behauptet er es erfolge eine “Überhöhung des Holocausts” durch Leute, welche ihre “religiöse Sinngebung” verloren haben. Ist das eine Geschichtsverzerrung und eine Beleidigung an die Ungottesfürchtigen? Lustig klingt das keineswegs…

Seine Heimat ist das schwarz-gelbe Lager, zumindest betont er das gelegentlich. Deswegen kann die Linke Gauck nicht als “kleineres Übel” wählen, er ist neoliberal. Wenn das politische Endergebnis bei beiden Kandidaten gleich ist, gibt es kein kleineres Übel. Im Umkehrschluss könne man von der FDP verlangen die linke Kandidatin Luc Jochimsen zu wählen.

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Konsumpatriotismus

Was haben Wettkampf, Krieg und Mythen gemein, eine Metaebene zur WM und unseren Fähnchen. (via)

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Bundespräsident III: Worte zu Herrn Gauck

Joachim Gauck wird auf Grundlage des folgenden Satzes vorgeworfen er würde den Nationalsozialismus verharmlosen, weil der Kommunismus auch schlimm gewesen sei.

“Im Westen währte die braune Diktatur 12 Jahre, im Osten aber kamen noch 44 rote Jahre dazu.” J. Gauck in den NZZ

Es ist aus dem Zusammenhang gerissen, es gehe ihm um die Dauer der Ohnmacht, welche dadurch im einzelnen entsteht. Ich verbinde damit jetzt keine Ohnmacht, sondern es wird wie schon im Feudalismus, eine Autoritätshörigkeit erzeugt. Hier hatte ich diese Anschuldigung wie folgt kommentiert:

Gaucks Aussage zur Dauer der Diktaturen muss nicht relativierend sein.
Die 12 Jahre Diktatur der Nazis sind für den Westen vergleichsweise wenig, denn der Osten hat noch zusätzliche 44 Jahre sozialistische Diktatur ertragen. Insgesamt sind das 56 Jahre Faschismus (Regierungsform welche das freie Denken unterdrückt, [ja es gibt weitere Definitionen, welche nicht zu ignorieren sind]). Das umfasst zwei Generationen. Dieser Zeitraum hinterlässt viel intensivere Furchen in der Psyche der Bevölkerung, als “nur” ein Jahrzehnt (da sind absichtlich Anführungsstriche: das stellt eine zeitliche, keine inhaltliche Relativierung dar).

Das ist kein Urteil ob er anderswo, der oben verlinkte Beitrag nennt noch weitere Kritikpunkte, doch noch eine Relativierung vornimmt.

Ich persönlich halte Gauck für geeigneter, er wäre nicht mein Präsident aber es wäre vermutlich einer. Vera listet Stichpunkte welche für ihn sprechen. Die Hoffnung welche dabei mitschwingt ist, dass er sich als Präsident eine Ruck gibt und sich für das Volk wortgewaltig einsetzt. Chris meint allerdings, die Fassade der gauckschen Wertes Freiheit, verdeckt ein festgefahrenes neoliberales1 Gedankengut. Er schreibt:

Für Joachim Gauck gibt es keine gute oder schlechte Politik, sie muss nur besser verkauft werden.

Wenn ich mir die Berichterstattung ansehe, u.a. Gaucks Beführwortung von Merkel und Schröder oder der zweifelhafte Umgang mit den Stasiakten, ist der Gedanke nicht abwegig, dass mit der rot-grünen unüberparteilichen Nominierung dem Volk nur weiter vermittelt werden soll alles sei in bester Ordnung.

Eigentlich stehen die Chancen für Wulff gut, es müssten große Teile der FDP und der Linken zum “Feind” überlaufen. Weil heute wieder populistische Journalisten über den Äther verbreiteten, die böse Linke solle gefälligst richtig wählen,  man kann gegen ihn argumentieren, ohne gleich dem Kommunismus anzuhängen.

Neben den im ersten Artikel erwähnten Hinweisen, gibt es eine kleine Presseschau (wird erst im laufe des Tages aktualisiert [hat technische Gründe]).

  1. Zur Erinnerung: Neoliberalismus a la FDP und schlanker (gemeint ist “magersüchtiger”) Staat ist Ursache einer klitzekleinen Finanzkrise. []
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Brotkrumen und Spiele

Gesetze werden immer gemacht, unabhängig von sportlichen oder anderweitig telegenen Großereignissen. Den Regierenden zu Unterstellen sie würden schlimme Handlungen im Schatten der WM vollführen, gleicht einer Verschwörungstheorie.

Verschwinden während dessen die Politikspalten aus der Zeitung? Hat irgendjemand, trotz Olympischer Sommerspiele in Peking, georgisch-russischen Krieg verpasst? Bundespräsident a.D. Köhlers Rücktritt hat Lena in den Schlagzeilen ernsthaft Konkurrenz gemacht und das Sparpaket der Bundesregierung richtet sich höchstens nach Landtagswahlen aus, nicht jedoch nach der WM.

Brennen vor oder nach den Spielen irgendwelche relevanten Hütten?

Klar die wahren Spiele finden 365 Tage im Jahr statt. “GNTM”, “DSDS”, “Rote Rosen” und iPad mögen einnebeln, jedoch jenen Konsumenten zu unterstellen sie würden sich deshalb zwangsläufig nicht kritisch mit ihrer Umwelt auseinandersetzen ist abwegig. Die Medienlandschaft wird von den Journalisten gestaltet, nicht von der Regierung, und vom Bürger verspeist.

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Linksruck

Nur weil sich die SPD unter Kanzler Schröder der Union anglich, ist letztere noch lange nicht Mitte geschweige denn Links, zumal diese ihre christliche Soziallehre mit Bravour über Bord warf.

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Bundespräsident II

Bei der SZ gibt es einen interessante Artikel zur Bundespräsidentensuche (via). Nebenbei erwähnt der Text mit keinem Wort eine offizielle Ernennung Frau von der Leyens, wenn Bundeskanzlerin Merkel sie nicht ins Gespräch brachte, wer tat dies dann?

Es haut einen um, die Größe der grenzenlose Antipathie, welche Frau von der Leyen — aus dem im Netz — entgegen schlug, wird in klassischen und neuen Medienformaten mit der Zustimmung zu Herrn Joachim Gaucks Nominierung übertroffen.

Auch ich bin von Gaucks Worten1 2 hingerissen, da ist Inhalt. Herr Gauck wirkt liberal, christlich-konservativ, keinesfalls Links. Er hat fundiertes Format, Seltenheit auf dem politischen Parkett. Nach all dem Jubel kommt der Kater, seine Definition der Freiheit ist lediglich eine wirtschaftlich-politische. Es geht ihm nicht um soziale Freiheit, welche es uns Bürgern erst ermöglicht die politische Freiheit zu nutzen.

Bei dem Profil ist wenig Wunder, dass viele inklusive Welt und Spiegel zu Gunsten Gaucks hausieren. Die neoliberale FDP wird als möglicher Überläufer gehandelt. Er wäre ihr Kandidat, ein populäres Feigenblatt für ihre Politik. Gleichzeitig nutzen sie dies als politisches Druckmittel, Teile der FDP suchen in der Wahl offenkundig nach “strategischen Vorteilen”.

Der Niedergang unserer politischen Kultur wird mit solch einem Geschacher fortgeführt. Begleitet von einer bedingungslosen Volkszustimmung zu Herrn Gauck, welcher eine Freiheit propagiert. Exzellente Schwarmintelligenz: “Wir sind alle Individuen”.

Herr Gauck ist eine fabelhafte Person, allerdings nicht mein Präsident.

Nachtrag: Chris lässt sich nicht vergauckeln.

  1. Berliner Rede zur Freiheit []
  2. Interview in der NZZ via: Kritik an jenem Text. []
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